Am Dienstagabend habe ich im taz-Café eine Veranstaltung moderiert, bei der es auch um die Frage ging, ob die Medien ihre Funktion als vierte Gewalt einbüßen. Zur Vorbereitung habe ich mir meine persönliche Vierte-Gewalt-Bilanz angeschaut: Als Redakteur in der Berlin-Redaktion der taz schreibe ich über die Landespolitik - aber in welchem Umfang ist es mir eigentlich gelungen, die Regierung kritisch zu begleiten, sie gut zu analysieren und auf Missstände hinzuweisen? Im Laufe des Jahres 2009 habe ich in der taz 263 Artikel geschrieben, und die Bilanz ist durchwachsen. Zunächst habe ich gezählt, in wie vielen Artikeln ich über Sachverhalte von öffentlichem Interesse berichten konnte, die vorher noch nicht öffentlich bekannt waren und die ohne meine Recherche auch nicht ans Tageslicht gekommen wären. Das waren fünf Artikel. In den restlichen 258 Artikeln habe ich über Sachverhalte geschrieben, die bereits bekannt waren - in der Regel deshalb, weil sie von den Pressestellen der Parteien, der Regierung, von Unternehmen oder Verbänden veröffentlicht wurden oder weil andere Medien sie veröffentlicht haben. More
2010-06-11