Anders als das Jammern der dienstleistenden Textarbeiter klingen die Wehklagen der künstlerischen Schreibenden weniger nach „Argh! Muss was Marktkonformes einreichen!“ sondern mehr nach „Mich lenkt alles ab!“ Zumindest, wenn man zahlreichen Beiträgen in Print und Web Glauben schenken möchte.
Daraus entwickelte sich auf verschiedenen Computersystemen eine regelrechte Industrie der ablenkungsfreien Schreibumgebungen. Sei es das Spartanische von myTexts, der an Matrix erinnernde Charme von WriteRoom oder der Zen-Ansatz wie jüngst bei Ommwriter zu finden – Kreative wollen offenbar nicht abgelenkt werden. Selbst Apple machte bei der aktuellen Version ihrer Textverarbeitung Werbung damit: Vollbildansicht des Textes ohne blinkendes Gedöns oder auch nur der Uhr im Blickfeld.
Wurde hier ein echter Bedarf des digitalen Schreiberlings entdeckt? Oder eine Marktlücke erschaffen? Der Zyniker in mir sagt sich: Nun ja, man könnte die ganzen Chat-Programme, Mail-Prüfer und lustigen Animationen auch einfach ausschalten. Oder das Internet-Kabel abziehen. Wo liegt das Problem?
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